Ja – ich lebe noch!
Liebe Oma, lang ist's her. Irgendwie habe ich angefangen den Blog vor mir herzuschieben und jetzt haben wir schon August. Es ist einiges passiert, und wie auch schon vorher, ging natürlich nicht alles ganz glatt. Aber fangen wir erstmal vorne an.
Nachdem ich in Halle ja nicht ganz so zufrieden war, haben wir einen ordentlichen Trainingsblock eingelegt, um mich auf den ersten richtigen Triathlon des Jahres vorzubereiten – der Heidesee Triathlon in Forst. Mit dem Rennen hatte ich noch eine Rechnung offen. Da es zudem auch noch um das erste Ticket für die JEM ging, war der Anreiz für ein gutes Rennen natürlich hoch. Ausgerechnet in der Woche davor bin ich dann krank geworden und das hat sich im Rennen auch etwas bemerkbar gemacht. Sowohl das Rennen als auch die Platzierung lief aber nichtdestotrotz sehr gut und für mich persönlich war es ein schönes letztes Mal (zumindest in der Jugendklasse).
Nach Forst ging es dann zurück ins Training, und da das Ticket für die DM noch nicht sicher war, war das Ziel klar. Also habe ich wieder viel trainiert und den langsam einkehrenden Sommer genossen. In der Woche nach Forst klingelte es am späten Abend auf einmal und Nele meinte direkt: „Mach nicht auf!“ Ich bin dann zum Hörer gegangen und hab gefragt, wer da ist. Aus dem Hörer kam nur: „Deine Schwiegermutter ist da.“ Nachdem ich den Hörer dann in die Halterung gehauen habe, habe ich mich doch entschieden sie reinzulassen. Es waren aber mehr Schritte als die von einer Person und dann stand er da – Nele's großer Bruder, den ich bis dahin immer nur übers Telefon gesehen und gehört habe, da er in Australien war. Es hat etwas gedauert, aber jetzt habe ich endlich einen „großen Bruder.“
Ende Mai waren wir dann für meinen Geburtstag daheim und ich habe endlich mal alle wieder gesehen. Das Training ging natürlich auch weiter, weil die DM ja quasi vor der Tür stand, aber irgendwie fehlte mir einfach der Antrieb bzw. der Fokus lag einfach nicht mehr NUR noch auf dem Sport. Wir haben bei den sommerlichen Temperaturen viel unternommen und viel erlebt. Irgendwie gefiel mir das Leben außerhalb des Sports auch sehr gut. Mit der fehlenden Motivation ging auch der Kampfgeist den Bach runter und die Vorfreude auf die DM am Rothsee verschwand. Ich hatte nach dem Rennen große Schwierigkeiten meine Motivation und die Leidenschaft für den Sport wiederzufinden, aber vielleicht gehört sowas auch einfach mal dazu. Jedoch war es alles andere als schön. Umso zufriedener war ich, dass ich von allen Seiten unterstützt wurde. Nele und Papa waren gleich nach dem Rennen da und haben mich beruhigt. Wolfram, mein Trainer, hat mich dann auch beiseite genommen und mit mir etwas klarer gesprochen. Es war nicht einfach der Person zu sagen, die sich jeden Tag für einen an den Beckenrand stellt, dass man keine Lust mehr auf das ganze hat. Es war klar, dass ich es nur zur Elite schaffe wenn ich mich voll auf den Sport konzentriere. Für Wolfram stand fest, dass wir es zusammen schaffen mich dort hinzubekommen. Dafür muss ich aber am Ball bleiben. Das hat mir Hoffnung gegeben aber die Gedanken auch nicht einfacher gemacht. An dem Punkt habe ich dann auch das erste Mal gemerkt, wie wichtig eine Trainingsgruppe ist. Ich konnte mir die Seele bei allen auskotzen und bekam sinnvolle Zusprüche. Die Klarheit hat mir dann jedoch mein Sportpsychologe gebracht. Der war glücklicherweise genau nach dem Rennen in Freiburg für seinen Stützpunktbesuch.
Zusammen mit ihm habe ich alles hinterfragt und herausgefunden was für mich eigentlich das besondere an dem Sport ist, und warum bzw. wofür ich das alles überhaupt mache. Nach über 10 Jahren kann man das ja auch schonmal vergessen. Dementsprechend war es umso schöner zu realisieren, dass alles gar nicht so selbstverständlich ist wie man manchmal denkt. An der Stelle also mein Appell an alle Nicht-Sportler und Sportler, wenn ihr die Möglichkeit habt, mit Menschen über eure Probleme zu reden – macht es! Mir hat die Zusammenarbeit mit einem Sportpsychologen echt viel gebracht und ich glaube, dass es nicht nur im Sport hilft. Und wenn es kein Psychologe ist, dann redet mit Bekannten, Freunden oder Familie.
Zurück zu meiner Geschichte. Nach dem Rennen habe ich dann erstmal ein bisschen Luft an die Sache gelassen und eine Woche das Training pausiert. In der Zeit hab ich tatsächlich stark gemerkt dass mir der Sport im Alltag fehlt und bin dann somit langsam wieder ins Training eingestiegen. Eigentlich war geplant mit dem Rennen der ersten Bundesliga in Tübingen wieder in die Rennsaison einzusteigen, doch dann habe ich an einem Freitag abends eine Nachricht bekommen, ob ich nicht in der Landesliga einspringen könnte. Nach kurzer Überlegung habe ich dann zugesagt. Ein kurzer Blick in die Ausschreibung ließ mich meine Zusage für einen kurzen Moment bereuen, denn ich hatte mich unbewusst für eine olympische Distanz angemeldet, also das doppelte von dem was ich sonst mache.
Also hieß es Verpflegungsstrategie erstellen (Danke Linus), Fahrrad putzen und Tasche packen, bevor es dann am nächsten Morgen zum Schluchsee ging. Das Schwimmen lief mega gut und bis auf Marco, der noch schneller war, konnte ich allein vorne wegschwimmen. Auf dem Rad kamen dann noch zwei Athleten von hinten und wir sind anfangs zu viert die Berge hoch und runter geballert. Das Laufen hat dann jedoch schneller geendet als gedacht, da ich an einer blöden Stelle umgeknickt bin. Dementsprechend musste ich das Rennen leider zu dem Zeitpunkt beenden.
Zum Glück war es nichts schlimmes und nach ein paar Tagen ruhigerem Training konnte ich dann wieder voll trainieren. Das war auch gut so, denn am Wochenende stand dann mein erstes Bundesliga Rennen der Saison an. Mit dem Rennen in Tübingen war ich sehr zufrieden und wir konnten uns mit dem Team den zweiten Platz sichern.
Dieses Wochenende war dann ein weiteres Highlight der Saison. Die Deutsche Elitemeisterschaft in Dresden. Das Wetter war zwar nicht optimal und das Wasser hätte definitiv auch 2 Grad wärmer sein dürfen, aber das Rennen war trotzdem toll. Beim Schwimmen war zwar wieder eine ordentliche Prügelei und beim Wechsel habe ich mich dann auf dem Teppich kurz auf den Bart gelegt, aber ab da lief es dann top. Nur das Ergebnis war dann etwas überraschend. Eigentlich wäre ich auf Platz 43 gelandet wenn ich nicht die Zeitstrafe übersehen hätte. Somit bin ich ohne sie abzusitzen nichts ahnend ins Ziel gelaufen. Dementsprechend war es dann heute mein erstes DSQ (Disqualified).
Jetzt bist du endlich wieder auf dem neuesten Stand der Dinge und beim nächsten Mal berichte ich dir dann aus unserem Sommerurlaub.